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Laufen und Reisen - Christian Stolovitz

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Curacao - Karibik

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Seit unserem letzten Besuch auf den ABC-Inseln (Aruba, Bonaire, Curacao) sind 8 Jahre vergangen. War es letztens Bonaire, so ist es diesmal Curacao, das ich sowohl an Land als auch unter Wasser erkunden möchte. Curacao ist die flächenmäßig größte der 3 Inseln und liegt geografisch gesehen in der Mitte dieser Perlen der südlichen Karibik.

Schon 2500 v.Ch. besiedelten Arawak Indianer vom 60 Kilometer nahen Festland Venezuelas Curacao.

1499 entdeckte eine spanische Flotte, an Bord unter anderen der Navigator Amerigo Vespucci, Curacao und Bonaire.

1634 eroberten die Holländer mit 6 Schiffen und nur etwa 300 Mann kampflos die ABC-Inseln. Unter Peter Styvesant entwickelte sich Curacao zum wichtigsten Umschlagplatz - für schwarze Sklaverei - in der Karibik.

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Englische und französische Versuche in Besitz des geschützten Hafens zu kommen scheiterten, Curacao blieb bis auf zwei kurze Ausnahmen niederländisch. Der Kolonialstatus wurde erst 1954 abgeschafft und die Verwaltung sogleich reformiert. Die typisch bunten Häuser im Hafen der Hauptstadt Willemstad sind jedoch bis heute optisch unverändert geblieben. Wäre da nicht das tropische Klima und die vielen dunkelhäutigen Menschen, könnte man meinen in Amsterdams Gassen gelandet zu sein.

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12° nördliche Breite

Es ist 5:00 Uhr morgens, der abnehmende Mond beleuchtet mir den Weg. Am westlichen Horizont, blitzen Wetterleuchten über Mittelamerika. Langsam laufe ich entlang der hügeligen Uferstraße in Richtung Playa Lagun. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, jetzt zu Beginn der Regenzeit herrscht tropisches Klima, ansonsten Trockenheit. Unzählige Kakteen und Agaven säumen den Weg. Tatsächlich gibt es hier wenige Pflanzen, welche nicht mit allen möglichen Arten von Stacheln bestückt sind. Weite Teile Curacaos sind eher untypisch für eine Karibische Insel. Palmenhaine findet man meist nur in Touristen-Resorts. Hier im dünn besiedelten Norden, wo ich gerade dem Morgen entgegen laufe herrscht urtümliche Kargheit, ganz nach meinem Geschmack. 

Der Großteil der Bevölkerung lebt im Süden der 61 Kilometer langen Insel in Willemstaat. Die Bewohner Curacaos haben den höchsten Lebensstandart aller Karibik-Inseln. Nicht zuletzt deshalb, weil mit niederländischen und EU-Geldern eine für diese Breiten bemerkenswerte Infrastruktur aufgebaut werden konnte. Leitungswasser  (z.B.) kommt aus einer zentralen Meerwasseraufbereitungsanlage und ist trinkbar, ein äußerst seltener Luxus in südlichen Ländern.

Mittlerweile bin ich schweißgebadet, ständig an meiner Wasserflasche nippend trabe ich durch einen kleinen Ort. Zur Zeit sinkt die Temperatur nicht einmal bei Nacht unter +28°C. Hier auf den Dutch-Antilles herrscht permanent der Sommer. Der niedrigste Temperaturwert, seit Wetterwerte aufgezeichnet werden beträgt +19°C. 

6:00 Uhr AM. Die aufgehende Sonne taucht die Landschaft in ein goldenes Licht. Hähne begrüßen den Tag, Geckos erwachen.

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Hunde bellen vor den bescheidenen Behausungen der Einheimischen. Die letzten Fledermäuse sind verschwunden. Hier am 12. nördlichen Breitengrad zieht der Tag schnell heran. Später sitzen wir zu fünft bei einem ausgiebigen Frühstück auf der Terasse unseres Bungalows am Ufer der Bucht von "Westpunt".

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 Belagert von stattlichen Echsen, welche - nachdem wir sie mit Melonenstücken angfüttern - nicht mehr von unserer Seite weichen.

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Der Christoffelberg ist die höchste Erhebung der Insel, weshalb er - nicht zuletzt deshalb - von uns nicht unbestieben bleiben darf. Bepackt mit ausreichend Proviant starten Heidi, unsere drei Tauchgefährten und ich die Tagestour vom östlichen Fuß des Berges.

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Wir folgen einem schmalen Steig, gesäumt von hohen Säulenkakteen und teils endemischen Bäumen. An einigen Stellen wandern wir durch dichte grüne Gewächstunnel.

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Die Luftfeuchtigkeit steigt mit den Höhenmetern. Der Schweiß rinnt aus allen Poren. Echsen in den unterschiedlichsten Farben klettern am Boden oder hocken im Geäst. Bromelien blühen in herrlichem Rot mit violetten Kelchen. 

Immer steiler führt der Steig zum Gipfel. Der Christoffelberg ist für Alpinisten nur eine bescheidene Erhebung, aber trotzdem nicht für jedermann erklimmbar.

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Im oberen Teil dieses wunderschönen pyramidenförmigen Berges mehren sich Kletterpassagen, und die letzte 70 Höhenmeter führen über steilen, nackten, teils auslagernden Fels zum Gipfel. Oben werden wir mit einem herrlichen Ausblick belohnt.

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Tauchen

Unsere heimeligen Appartements oder Studios, wie man diese praktischen Behausungen hier bezeichnet, könnten günstiger nicht liegen (wie schon erwähnt, in der Abgeschiedenheit am Nord-West-Punkt der Insel). Auf einer Klippe, mit traumhaftem Weitblick übers Meer und nur wenigen Schritten zum Wasser.

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Atemberaubend die Sichtweite, sinnesbetörend die Eindrücke, klareres Wasser als in diesem Gebiet habe ich bis jetzt nur in den Höhlen Mexikos (Cenoten) betaucht. Eine schön gewachsene Schildkröte schwimmt neugierig auf mich zu, dem Licht meines Kamerascheinwerfers gehört ihre ganze Aufmerksamkeit. Vorsichtig tippt das entdeckungsfreudige Tier mit seinem schnabelartigen Maul auf das Glas des Lichtes. Anschließend mustern ihre charackteristischen Augen, was es sonst noch Interessantes an mir zu finden gibt. Zwischendurch schwimmt sie zur Oberfläche, holt Luft und kommt gleich wieder zu uns zurück. Nachdem wir weiter tauchen, erfreuen wir uns noch ein Stück ihrer Begleitung. Später finden wir das neugierige Tier an einer anderen Stelle, beim Plündern der Fisch-Köder einer Reuße.

Bei anderen Tauchgängen, am Riff von Lagun, entdeckten wir eine selten große Languste und beim Spot "Sweet Alice" versetzt uns das rare Treffen mit einem Adlerrochen in helle Begeisterung. Doch erkennen wir bald, dass das intakteste Riff, jenes, vor unserer Haustüre ist. Als mich dann, eben am Hausriff, wie zur Bestätigung unserer Erkenntnis, ein untypisch, wenig scheuer Adlerrochen bis auf Körperkontakt an sich heran läßt, beschließen wir nur noch hier zu tauchen.

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Einige Tage später bestätigt sich die Richtigkeit unserer Entscheidung durch den Besuch eines Schwarmes Delfine.

Im seichten Uferbereich tarnen sich - ungenügend für unsere geübten Augen - Seepferdchen. Wenig daneben patroliert ein fetter Zackenbarsch, mit eigenem Pilotfisch den Riffsaum. Viele schöne Stunden verbringen wir auf diesem artenreichen Platz zwischen Sardinenschwärmen, Butts und unzähligen anderen Meeresbewohnern.

Wochen verfliegen, der Zeitpunkt unserer Heimreise naht. Melancholisch streift mein Blick noch einmal übers Meer, dann geht es zum Flughafen. Ich werde dieses sterbende Paradies nicht wieder sehen. Denn das Absterben der sensiblen Korallen und Schwämme, durch die globale Erwärmung geht in der Karibik besonders schnell voran. Wir haben Riffe betaucht, an denen es kaum noch eine gesunde Koralle zu entdecken gab, andere Stellen waren bereits gänzlich abgestorben. Dort irrten nur noch vereinzelt niedere Tiere und Fische umher oder waren bereits verschwunden, da es ihnen an der Lebensgrundlage - dem Bewuchs - fehlt.   Endzeitszenario.

Es bedarf keiner außergewöhnlichen Vorhersehungsgabe, um zu erahnen, dass die wenigen intakten Plätze in einigen Jahren ebenso leblos vorzufinden sein werden. Mein Herz wird schwer bei diesen Gedanken.

 

Christian Stolovitz 2013

Facebook:  "Christian Stolovitz Fotograf"

 


 

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