Von den ersten Hahnenschreien des Tages begleitet laufe ich los. Hell erleuchtet die Mondsichel und unzählige Sterne den Himmel über der Stadt Cres. Das warme Licht der Beleuchtung im Hafen der Altstadt spiegelt sich im Meer. Sanft kämmt mir die Bora (Nordostwind) durchs Haar. Noch sind die Straßen menschenleer, nur die mißtraurischen Blicke vereinzelt umherstreifender Katzen folgen mir. In der Ferne tuckert ein Fischerboot gemächlich aus der Bucht. Zufrieden sauge ich mit allen Sinnen die mir zufließenden Eindrücke auf.
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CRES
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Cres ist die größte Stadt auf der gleichnamigen Insel. Das Stadtbild wurde in der venezianischen Herrscherzeit im 16. Jahrhundert geprägt. Schmale Gassen, Stadttore, Kirchen und Türme bezeugen eine lange Geschichte. Auf mancher Hausfassade sind noch Wappen welche die Berufsstände der damaligen Bewohner symbolisieren zu entdecken und der weit in das Zentrum der Altstadt reichende, noch immer von einheimischen Fischern und Taxibooten befahrene Kanal, erinnert mich ein wenig an Venedig.
Die Berghänge im Norden der Insel Cres sind unwegsam, von der Bora gepeitscht und mit jahrhundertealten Steineichen bewachsen. Perfekte Bedingungen für einen Geländeläufer und Wanderer aus Leidenschaft.
Wanderungen haben sich als ideale Ergänzung zu meinem Lauftraining bewährt. Und so packen Heidi und ich nach dem Morgenlauf unsere Rucksäcke und ziehen mit einem befreundeten, ebenfalls geländegängigen Pärchen los.

Olivenbäume säumen den Pfad welchen wir guter Dinge die Küste entlang marsch- ieren. Am Horizont, in Richtung Nordwesten schimmert die bläuliche Silhouette Istriens. Davor ruht friedlich das Meer. Sonnenlicht reflektiert im smaragdfarbenen Bereich des Kiesstrandes. Zu unserer Rechten suchen Schafe hinter jahrhundertealten, mühsam aufgeschichteten Steinmauern zwischen Wacholder, Salbei und Thymian nach Nahrung. Ein langer steiniger Anstieg führt uns auf die Hochebene zur Kapelle Sv. Salvator. Harmonie. Postkartenidylle nach allen Seiten. Die Seele jubelt.
Weiter geht es - mal auf, mal ab - durch Kiefernwälder über karstige Anhöhen zur Ruine Sv.Blasz. Etwas danach endet unser Steig an einer versteckten, menschenleeren Bucht, einer Oase der Ruhe. Sonnenschein, klares Wasser, ein phantastisches Panorama. Wieder liegt ein strahlender Ort vor uns, aber davon sollten wir auf der Insel Cres noch weitere entdecken.
Einer davon trägt den Namen Valun. Valun ist ein typisches Fischerdorf und liegt in einem weit geschwungenen Uferbogen in der Bucht von Cres. Hier finden wir uns wieder in der Filmkulisse der vor mehr als 30 Jahren gedrehten TV-Aussteigerserie "Der Sonne entgegen". Ein besonderes Erlebnis. Alte Sehnsüchte, beinahe vergessene Träume werden wach.

Zur Stärkung gibts in der Konoba, an der Mole, noch schmackhaftes Oktopusrisotto dann geht es weiter auf die westliche Hochebene.
378 Meter ragt der Felssporn aus dem Meer, auf dem die mittelalterliche Siedlung Lubenice trohnt. Winzige Häuser mit Gewölbedurchgängen, kleine Fenster, Lubenice hat sich im Laufe der Zeit wenig verändert. Etwas weiter gelangen wir in das noch entlegenere Dörfchen Pernat. Hier lebte man früher von den Erzeugnissen die der spärliche Ackerboden hervorbrachte, von der Olivenölproduktion, der Feigenverarbeitung und von der Schafzucht. Heute ist Pernat tagsüber wie ausgestorben. Die Bewohner arbeiten auswärts, die Landwirtschaft ist nur noch Nebenerwerb. Wir begegnen tatsächlich nur einer einzigen Bewohnerin, ansonsten weder Hund noch Katz. Erholsame Stille, wie man sie heute in bewohntem Gebiet nicht mehr gewohnt ist. Angenehm, aber irgendwie etwas unheimlich.
Stille umgibt uns auch in der Unterwasserwelt während der Tauchgänge am Hausriff der Tauchbasis von Cres. Unmittelbar nach dem Abtauchen werde wir von im Sonnenlicht schillernden Sardinen umschwärmt. Goldstriemen zupfen Algen zwischen Steinen hervor. Zylinderrosen und Schraubensabellen wiegen federartige Tendakelkronen in der Strömung.
Tauchen am Hausriff von Cres
Langsam tauche ich den sanft abfallenden Uferbereich zwischen bunten Schwämmen, Federsternen und Schnecken entlang. Wunderschöne Momente die ein Leben lang in der Erinnerung leuchten werden.
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LOSINJ
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Das Equipment in unserem Pkw verstaut und auf geht es weiter in Richtung Süden. Über die Drehbrücke der alten Seefahrerstadt Osor erreichen wir die Insel Losinj. Unser Ziel, die Hafenstadt Mali Losinj hat wie Osor lange Tradition in der Seefahrt.

Wegen des milden Klimas und der subtropischen Vegetation war Mali Losinj schon zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie ein beliebter Luftkurort der oberen Gesellschaftsschicht des Kaiserreichs. Im 19. Jahrhundert errichtete man einen Wanderpfad welcher noch heute besteht und den gesamten südlichen Teil der Insel säumt. Perfekte Gegebenheiten für einen Bewegunsjunkie wie mich.
Morgens wird gelaufen, mittags gewandert und die Abende lassen wir im Hafen, in Speiselokalen und Kaffehäusern bei mediterranem Flair ausklingen.
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Text und Bilder von Christian Stolovitz 2016
"Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für die Dinge die du immer wolltest. Tue sie jetzt."
Paulo Coelho
