Korsika... gehört zu den bevorzugten Fleckchen Erde, die Eigenart, ja sogar Persönlichkeit besitzen, denen weder die Zeit noch die Menschen etwas anhaben können. Korsika ist eine der bezauberndsten Gegenden der Welt und trägt zu Recht den Namen "Insel der Schönheit".
(aus "Asterix auf Korsika")
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BONJOUR KORSIKA
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Der Himmel über dem Meer ist in das warme Licht eines herrlichen Sonnenaufganges getaucht während ich die Küstenstraße der Hafenstadt Bastia entlang laufe. Bastia liegt im Norden der französischen Insel Korsika, besitzt mit ihren barocken Kirchen und Kapellen, den engen Gassen und Cafes allerdings das Flair einer italienischen Kleinstadt.
Schon früh am Morgen erwacht das Zentrum des einheimischen Lebens - der mit Palmen gesäumte Place St. Nicolas. Etwas weiter, entlang der Küste wuchern dickblättrige Agaven, Aloe, üppige Feigenkakteen, Lavendel, prächtig blühende Oleander und vieles mehr. Davor erstreckt sich das Meer in scheinbar endloser Weite, still und blau. Idylle. Ich würde ins Schwärmen geraten - bei dem Versuch meine Stimmung bei diesem Morgenlauf in Worte zu fassen, dafür aber ist es noch zu früh.
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KALLISTE
Schon bei den Griechen in der Antike trug Korsika den Namen kalliste (die Schönste). Berechtigt, denn diese Insel ist nicht nur schön, sondern auch noch dazu reich an Vielfalt und Besonderheiten. Mit einer Länge von 183 km und 83 km Breite gleicht sie eher einem kleinen Kontinent als blos einer Insel. Abseits der mediterranen Küste wandelt sich die Landschaft bald zu einem Vorgebirge. Durch malerische Bergdörfer geht es immer weiter aufwärts in ein prächtiges Hochgebirge.
Im Landesinneren ist Korsika dünn besiedelt. Fern der "goldenen all inclusive Käfige" erheben sich Maccia-überwucherte Hänge, wo Rosmarin und Lavendel im warmen Sonnenschein ihre Düfte ausströmen. Etwas höher blühen Edelkastanien in herrlichen naturbelassenen Mischwäldern. Von solchen gesäumt liegt Ghisoni - ein liebliches kleines Bergdorf - in einem Talkessel unterhalb der Berge Kyrie Eleison und Christe Eleison. Überwältigt von der beeindruckenden Kulisse beschließen wir für einige Tag hier zu bleiben.
TRAILLAUF-PARADIES
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Noch ehe die ersten Sonnenstrahlen des Tages über die Berge gefunden haben trabe ich los. Zuerst ein Stück durch das noch schlafende Dörfchen Ghisoni, danach führt mich eine alte steinerne Brücke ins Gelände. Wurzelige Trails wechseln sich ab mit steinigen Pfaden. Daneben gedeihen saftige hochgewachsene Farne vor teils dichtem Buschwerk. Alte prächtige Schwarzkiefern überragen das verschwenderische Grün. Es ist ein wunderbares Gefühl hier im Laufen die Stimmung des erwachenden Tages einzufangen. Ich bin im Glück.
Glück verdoppelt sich wenn man es teilt, deshalb bin ich einige Stunden später nochmals hier oben, beim Gipfelkreuz unseres Hausberges - mit Heidi - diesmal im Wandertempo. Gemeinsam genießen wir den Ausblick der im Osten weit über das Meer und im Westen hin zu den hohen mit Schneefeldern befleckten Gipfeln reicht. Welche Worte würden schon genügen um diese Schönheit zu beschreiben.

Tief abwärts schlängelt sich unser Steig, nach dem Gipfelplateau zum Fuße der Eleison Berge, in eine vom Schmelzwasserfluss Fium Orbu gewaschene Schlucht. In Ufernähe entdecken wir Steinruinen eines längst verlassenen Dorfes. Ein halbwüchsiges Wildschwein kreuzt unseren Weg. Traumhafte Bilder die ich mein Leben lang mit mir herumtragen werde. Mehr als einmal frage ich mich ob dies nicht der richtige Ort wäre mich anzusiedeln ............
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MONTE RENOSO
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Es sind bewegungsintensive Tage welche wir hier verbringen. Den täglichen Trailläufen folgen herrliche Wanderungen.
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Einige Kilometer südlich des Dorfes Ghisoni beginnt sich das Landschaftsbild zu verändern. Nachdem sich zu beiden Seiten unseres Weges Laub und Nadelwälder breiteten, erreichen wir nun die Baumgrenze. Vorbei an Berghütte und Skilift steigen wir hoch zum Bastiani See (2089m). Klar schmiegt sich das eisige Wasser in die steinige Senke am Fuße des schneebefleckten Monte Renoso.
Ich, ein Lärmentwöhnter, genieße die Stille und das Wohlbefinden welches mir die körperliche Bewegung verschafft. Bedächtig umgehen wir den See. Nur noch 300 Höhenmeter trennen uns vom Gipfel. Obwohl dieser viel entfernter erscheint, so mächtig wirkt der Berg als wir unmittelbar davor an seinen empor ragenden Flanken hochblicken. Das steile Schneefeld ist ohne Steigeisen und Eispickel nicht begehbar. Rechts daneben zieht sich ein abschüssiger Geröllhang zur Felsformation des Gipfels. Kein ausgetretener Steig, keine vorverlegten Sicherungsseile - diese Seite des Berges überlässt uns die Routenwahl.

In langsamen Trott geht es das Geröllfeld hoch. Den Gipfelfels über winden wir mit etwas Risiko, kletternd und kommen schließlich zur Mittagszeit mit einem beglückenden Adrenalinschub zum Gipfelkreuz. Fernsicht nach allen Seiten. Der Bastiani See liegt uns zu Füßen, weit dahinter spiegelt zwischen spärlichen Wolkenfeldern das Meer. Herrlich.
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AUF HISTORISCHEN PFADEN
Im Leihwagen geht es weiter an die Westküste zur Hauptstadt Ajaccio. Nach den stillen Tagen im Gebirge fühlen wir uns schon bei unserer Ankunft, im zähflüssigen Kollonnenverkehr und Menschengewusel dieser vom Jet Set angehauchten Metropole, etwas deplatziert. Trotzdem wandern wir entlang der Uferpromenade zur Altstadt, besichtigen das Geburtshaus Napoleon Bonapartes und die Zitadelle. Übernachtungspläne werden jedoch verworfen und somit ziehen wir noch am selben Tag weiter. Im Nordwesten der Insel, im beschaulichen kleinen Dorf Algajola, finden wir schließlich die Umgebung die unseren bescheidenen Anforderungen an einen Wohlfühlort gerecht wird. Natur, Idylle, Ruhe. Hier lassen wir uns für die letzten Tage auf Korsika nieder. In Strandcafe, der sichelförmigen Sandbucht lässt sich der Tagesausklang bei einem Glas Rotwein gut aushalten.
Unsere verbleibende Zeit auf dieser kontrastreichen Insel wird bei Spaziergängen, Tagträumen, Badevergnügen und einem Ausstellungsbesuch im geschichtsträchtigen Ort Calvi bei der hier stationierten Truppe der Fremdenlegion genossen. Und natürlich stürze ich mich auch hier täglich in den Laufgenuss. Trabe über Hügel entlang der Küste, vorbei an Schafherden und flirte mit der Lust beim Laufen das Leben zu spüren.
Text und Bilder CHRISTIAN STOLOVITZ 2016
"Die großen Ereignisse, das sind nicht unsere Lautesten, sondern unsere stillsten Stunden" (Friedrich Nietzsche)