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Laufen und Reisen - Christian Stolovitz

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Norwegen - Auf Amundsens Spuren

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Das Nordkap, ein über 300 Meter hoher Schieferfelsen liegt in der nördlichsten Ecke des europäischen Festlandes. (N 71° 10´21´´) 

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  Während in Mitteleuropa das Quecksilber die  plus 30° Celsius Marke erklomm, stieg die Temperatur am Nordkap kaum über den Gefrierpunkt. Der ungewöhnlich große Temperaturunterschied und der eisige Polarwind bildeten gute Bedingungen meine Bekleidung für den kommenden Arktis Ultra-Marathon zu testen.

 

 

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Beeindruckende Weite, nördlich der Baumgrenze. Ausgehend vom Lappland erstreckt sich die Tundra, tausende Kilometer über den Norden Europas und dem asiatischen Kontinent.  

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Weiter ging es nach Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt (N 70°30') welche nur noch 2100 Kilometer vom Nordpol entfernt liegt.  

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Auf der MS Nordkapp, einem Hurtigruten-Postschiff, fuhren wir quasi im Kielwasser der Polarforscher Nansen und Amundsen nach Tromsö.

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Tromsö ist aber auch heute noch Ausgangspunkt zahlreicher Arktisexpeditionen.

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Mitternachtssonne - treffender gesagt mitternächtliche Helle, denn die Sonne fand erst gegen 2:00 Uhr morgens einen Weg durch die Wolkendecke. Es war auch nach einigen Tagen noch ein fremdes Gefühl um Mitternacht bei Tageslicht durch die Gegend zu marschieren. 

 

 

 

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Je weiter wir uns Richtung Süden, dem Polarkreis entgegen bewegten, desto mehr wandelte sich die Helligkeit der späten Nacht zu einem fragilen Dämmerlicht,............

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.....welches der Umgebung eine surreale, märchenhafte Stimmung verlieh. 

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Wahrnehmungsüberdosis - keine Wolke hing schief, kein Regen, es war einfach nur schön. Es festigte sich ein bleibendes Bild, eines jener, welche man in Gedanken archiviert, um es bei Bedarf hervorzukramen um neue Lebenskraft zu schöpfen.

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Der Polarkreis liegt auf 66°33´ nördlicher Breite. Unsere Entfernung zum Nordpol betrug an diesem Tag 2602 Kilometer. Eine Distanz die sich jährlich um einige Meter verringert, was man frei aus dem wissenschaftlichen Fachchinesisch als verlagern des Polarkreises übersetzen kann. 

Der Polarkreis stellt zur Sommersonnenwende die Grenze für die Mitternachtssonne dar, und zur Wintersonnenwende die der Polarnacht. An diesem einen Tag, dem der Sommersonnenwende, geht am Polarkreis die Sonne nicht unter und mit zunehmender Breite mehren sich die Tage an denen die Mitternachtssonne zu beobachten ist. Am Tag der Wintersonnenwende hingegen bleibt unser Zentralgestirn, am Polarkreis - für diesen einen Tag - gänzlich hinter dem Horizont, was mit zunehmenden Breitengraden ebenfalls zunimmt. 

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Nach den bildschönen Inseln der Lofoten, eine der eindrucksvollsten Landschaften die ich jemals zu Gesicht bekommen habe, ging es immer weiter Richtung Süden. Beschauliche Felspanoramen, hohe imposante Wasserfälle, bezaubernde Fjorde - ein Augenschmaus jagde den nächsten und das Zwielicht verlieh der Landschaft einen ätherischen Hauch.

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Wir erreichen die historische Königsstadt Trondheim. Die ehemalige norwegische Hauptstadt hat ihren eigenen Charm. Holzhäuser saümen malerisch die Kanäle, geschichtsträchtige Gebäude prägen die Altstadt. Wir schlendern bei frühlingshaftem Wetter zum mittelalterlichen Nidaros-Dom, der zurecht als schönste Kirche Norwegens bezeichnet wird. 

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Gerne wäre ich im schmucken Trondheim noch länger geblieben, doch unser Zeitplan erlaubte das nicht. Wir mußten weiter Richtung Süden. Nach Bergen, zum Endpunkt unserer Reise. Bergen zählt zu den regenreichsten Städten Europas, ist für meinen Geschmack zu groß und zu modern. Hier habe ich auf Anhieb nichts gefunden, dass mich auf Dauer halten könnte. Im Gegensatz zum restlichen dünn besiedelten Norwegen, welches ich auf unserer 2000 Kilometer langen Reise kennengelernt habe. Denn das Festland Norwegens (abgesehen des Anteiles auf Antarctica) ist etwa 5 mal so groß wie Österreich. Mit nur 5 Mio Einwohnern bedeutet dies 13 EW pro Km2. Wenig im Vergleich zu Österreich, wo auf einen Km2 - 100 EW kommen. 

Abgesehen von den wenigen großen Städten dieses schönen Nordlandes, dominiert hier die Natur mit wenigen, dafür bodenständigen Menschen. Optimale Lebensbedingungen für einen wie mich. Nur bekommt man nördlich des 60. Breitengrades die Sonne leider nicht so häufig zu Gesicht, was für einen diesbezüglich verwöhnten Pannonier schon ein bedeutendes Wohlfühlkriterium ausmacht. Ansonsten hätten wir den Gedanken, uns in diesem, noch größten Teils natürlichen Land dauerhaft anzusiedeln gerne weiter geflochten..........................

 

Christian Stolovitz 2011

 

 

"Wenn das Leben, wie die Dichter es sagen, ein Traum ist, so sind es auf Reise gewiß die Visionen, welche am besten dazu taugen, die lange Nacht zu vertreiben." 

(Charles Darwin  1809 - 1882)

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