Die Regeln diese Backyard-Bewerbes verlangten, dass wir Teilnehmer jede Stunde eine Runde (6,706km über Wiesen, auf Forstwegen und Straßen mit einigen Höhenmetern) laufen sollten. Nicht mehr und nicht weniger. Wer einmal nicht zeitgerecht eine Runde beendete schied aus dem Rennen. Die nach 24 Stunden im Wettkampf verbliebenen sollten sich in der 25. und somit letzten Runde im Wettlaufmodus messen. So weit kam es allerdings nicht.
Aber der Reihe nach..... Eisregen prasselte auf uns nieder als mein treuer Kamerad und Betreuer Andi sein Hündchen Floh (Zwergspitz) und ich in Stallhofen bei Schalchen eintrafen. Zeitgerechte Ankunft hatte sich gelohnt, da, wie vom Veranstalter im Vorfeld angekündigt, keine Platzreservierungen für die persönlichen Verpflegungsstellen der Läufer entgegen genommen wurden. Wer zuerst kam..... Somit hatten wir die Möglichkeit, noch bevor großer Andrang herrschte, meinen kleinen Verpflegungstisch an günstiger Stelle in der beheizten Feuerwehrgarage zu positionieren. Gerade noch rechtzeitig, denn schon bald füllte sich der gesamte Bereich mit Menschen und die Plätze in den warmen Räumlichkeiten waren in kurzer Zeit belegt. Beim Race Briefing vermittelte uns Organisator Norbert Lüftenegger noch die Regeln und Besonderheiten dieses speziellen Wettkampfes, danach ging es zum Start.
9:00 Uhr - Los! 129 Läufer zogen in das Rennen.
Über eine Wiese führte unser Kurs zu einer Straße welche bald in einen Forstweg mündete. Bei Schneisen und Lichtungen, wo der Wald Schneeflocken Einlass gewährte, bedeckte eine dünne weiße Schicht den Boden. Die Bodenbeschaffenheit unseres Weges gestaltete sich teils matschig, gelegentlich auch mit Wasserlacken. Das war aber nur der relativ harmlose Beginn bezüglich Auswirkungen der noch folgenden Niederschläge. Etwas mehr als 3 Kilometer nach dem Start gelangten wir zum Wendepunkt unseres Kurses. Danach ging es ein Stück zurück, bis zur zuvor passiert Weggabelung, wo wir schließlich in einen parallel zum Hinweg verlaufenden Forstweg geführt wurden. Am Waldrand beäugten neugierige Schafe aus ihrem Gehege die Passanten. Hühner liefen frei herum. Kurz danach schloss sich für uns Läufer der Kreis, entlang der Wiese zum Ausgangspunkt - dem Start/Zielbereich des Backyard.
Meine Laufzeit für die erste Runde betrug etwas mehr als 45 Minuten. Gut so. Dieses Tempo sollte in etwa beibehalten werden. Schneller unterwegs zu sein macht beim Backyard keinen Sinn, würde nur die Pause bis zum Start zur nächsten vollen Stunde unnötig verlängern. Die Zeit um meinen Verdauungstrakt in Ruhe ausreichend mit Nachschub zu versorgen reichte aus, mehr war eigentlich nicht nötig. Obwohl längeres Verweilen in der warmen Garage schon verlockend gewesen wäre.....
5 Minuten vor dem Start zur nächsten Runde ertönte aus der Musikkiste des Veranstalters das Titellied aus Paulchen Panthers Zeichentrickserie - "Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät" Danach trieb uns das Trillern aus einer Pfeife, welches im Minutentakt erklang, zurück zur Startlinie. Runde um Runde, Stunde um Stunde änderte sich nicht wesentliches. Abgesehen davon dass die Läuferschar kleiner wurde, da einige aus dem Rennen schieden.
Erfreulicherweise zeigte sich nachmittags doch noch ein wenig die Sonne. Leider nur für kurze Zeit. Durch dünne Nebelschleier erhellte sie unser Gemüt, ehe sie endgültig hinter dem Horizont verschwand. Mit Einbruch der Dunkelheit galt es einem neuen Kurs zu folgen. Dieser führte nun nicht mehr durch den Wald (um die Ruhe der Wildtiere zu nächtlicher Stunde nicht zu stören) sondern auf eine nahe gelegene Erhebung. Also mit einigen Höhenmetern mehr als zuletzt. Durch kleine ländliche Siedlungen zu einem langen matschigen Feldweg, entlang des regionalen Bahndammes. Danach, zurück zum Ortsgebiet lag endlich wieder fester Boden unter unseren Füßen. Bis zum Start/Zielbereich wo wir von jubelnden Betreuern und Schaulustigen empfangen wurden.
Am frühen Abend setzte erneut Regen ein. Die Lufttemperatur hatte sich etwas über dem Gefrierpunkt eingependelt. Gleich vermuteten wir eine kurzzeitige Laune des Wetters, hofften auf ein baldiges Ende des Regens. Das aber sollte ein unerfüllter Wunsch bleiben, denn der Niederschlag wurde stärker und dauerte an. So als müsse das Regendefizit der vergangenen Sommermonate an einem Wochenende ausgeglichen werden. Die erschwerten Bedingungen forderten Opfer. Nach 12 Stunden waren nur noch 26 Läufer im Rennen und nach 15 Stunden kämpften sich gar nur mehr etwa 10 Prozent des ursprünglichen Starterfeldes, also 13 Läufer, durch die feuchtkalte Nacht. Mir ging es eigentlich gut, obwohl die Gegebenheiten im Laufe der Nacht immer schwieriger wurden. Der Feldweg entlang des Bahndammes hatte sich in ein Sumpfgebiet verwandelt. Dementsprechend mühsam gestaltete sich das Vorankommen durch Wasserlacken und auf weichem Boden. Auf der Straße durch Stallhofen bildete sich während der Nacht ein ständig weiterwachsender See. Ausweichmöglichkeiten boten sich an dieser Stelle keine an, also durch. Egal, vollkommene Durchnässung ließ sich ohnehin nicht vermeiden.
Nach vollendeter Runde fühlte es sich gut an im beheizten Feuerwehrhaus für einige Minuten Unterschlupf zu finden. Das lästige Wechseln in trockene Kleidung ersparte ich mir, da uns ja sowieso gleich wieder intensive Bewässerung von oben und unten erwartete. Angenehm war es natürlich nicht in nasser Kleidung die warme Garage zu verlassen und sich abermals den Launen des Wetters auszusetzten. Doch nach dem Neustart lief mein Körper bald wieder auf Betriebstemperatur und das Empfinden der äußeren Einflüsse wurde erträglich.
In der 18. Runde befanden wir uns nur noch zu 6 auf der Strecke. Was die Altersklasse betrifft so war ich als einziger der über 50-Jährigen noch im Rennen verblieben. Survivor der Oldies, quasi. Somit beendete ich nach 120,7 Kilometer meinen Lauf und wurde um ein interessantes Erlebnis und eine Survivor Trophäe reicher.
Text: Christian Stolovitz
Bilder: Andreas Horvath, uptothetop.de, Christian Stolovitz